Schmetterlinge fliegen gänzlich unbeeindruckt
ein Kampf Der Kulturen
ein Stueck von
Charly Diehl
Schmetterlinge fliegen gänzlich unbeeindruckt
Text und Musik von Charly Diehl
Berlin August 2003
erscheint im
Music-3000 Verlag
13301 Berlin
PF: 65 0 123
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches oder des Tonträgers darf ohne schriftliche
Genehmigung des Verlages vervielfältigt, aufgeführt oder gesendet werden.
Es spielen:
Sinnim - emanzipierte, arabische Frau
Mathiske - etwas wurstiger, deutscher Gutbürger
Dottl - feinsinniger Kosmopolit
Eine Wüstenlandschaft. Im Hintergrund ein paar krumme aber antike Säulen. Im Vordergrund ein ärmlicher Verkaufsstand. Eine eindeutig dem arabischen Raum zuzurechnende Frau mit Beinprothese läuft mit einem Eimerchen voll Sand über die Wüste, schüttet auf rostige Flecken frischen Sand und sprayt mit eine Spraydose an anderen Stellen ebenso rostige Flecken in den Sand. Spricht dabei vor sich hin.
Sinnim: Die Arbeit ruft wie eine Wildnis.
Die Arbeit kommt aus den Muskeln - einer Frau.
Und Geld macht einen ganz besonderen Schmutz.
Nur Ahmed will eine Verhüllung der Fleischschicht, die ich mein Gesicht nenne.
Nur Ahmed will,dass ich nicht lese.
Damit keine Überprüfung ist. Dieses Reinlügen in eine enge Ewigkeit. Dieser Koranverräter!.
Er hat einen Rotz am Mund, wenn er sich ereifert.
Und die Spucke purzelt hinter seinen Worten her.
Doch jetzt ist Schluß. Die Zeit seines Stocks ist vorbei.
Ich lese jetzt - besser als er.
Ich arbeite - sogar mit Holzbein.
Allah sei Dank -hinter vorgehaltener Hand für dieses Amerika.
Aus dem Hintergrund hört man eine Touristengruppe mit ihrem Reiseleiter kommen.
Sinnim packt hastig ihre Utensilien zusammen und setzt sich scheinbar gelangweilt hinter ihren Stand.
Die Stimme des Reiseleiters: .......... wir treffen uns also in 2 Stunden am Bus. Aus einem alten weggestorbenen Krieg rosten nach dem letztjährigen Regen noch uralte Ostblockminen unter dem Sand. Bitte verlassen sie nicht die markierten Wege. Meiden sie rote Flecken im Sand, damit sie auf keine Minen nicht geraten. Wenn es unter ihrem Fuß ein Knacken zu hören ist, bleiben sie stehen und rufen um Hilfe. Ansonsten wünsche ich viel Vergnügen.
Die Menge zerstreut sich hörbar und Mathiske und Dottl betreten begeistert die Bühne.Dottl hat einen Reiseführer, eventuell Fotoapparat. Mathiske isst einen arabischen Falafel.
Mathiske: Falafel ist eine totalisierte Verköstlichung. Man müsste nur einen Senf drauf spritzen.
Er beißt ab.
Dottl: Die Vergangenheit hat in allen Dingen seine Wohnung.
Hat ein arabischer Mensch mit einer gewissen Lautstärke vor sich hingedacht. Nur die Pyramiden, so denkt er weiter, die Pyramiden wohnen in der Zukunft.
Mathiske: Ja, herrlich!
Einen Senf. Einen scharfen, deutschen Senf!!
Dottl: Jaja, und noch ein Sauerkraut dazu, und statt dem Falafel eine fette Wurscht.
Mathiske: Werfen sie meinem Magen keine rassistische Peristaltik vor. Ich will nur, dass man mir einen Senf draufspritzt.
Ansonsten habe ich eine große Anerkennung für alle orientalischen Köstlichkeiten.
Dottl: Da ist ein Kiosk.
Er zeigt auf den Stand von Sinnim.
Mathiske geht zum Stand
Mathiske: Haben sie einen Senf?
Sinnim ignoriert ihn. Sie liest in einem Buch.
Mathiske: He - do you have some
Zu Dottl was heißt Senf auf englisch?
Dottl blättert in einem Wörterbuch
Mathiske: He! Er klopft mit der flachen Hand auf den Tresen.
Give me Senf aber subito! Parlez-vous Francais??
Sinnim ignoriert ihn. Sie dreht sich ein bisschen weiter weg von ihm
Mathiske: Die kann überhaupt keine Sprache nicht.
He - gib mir Körner, Essig und eine Tube aus Aluminium.
Oder kannst du nur Turban flechten.
Dottl: Mustard.
Mathiske: Hä?
Dottl: Mustard. In der englischen Sprache ist das der begrifflich identische Ausdruck für Senf.
Mathiske: Give me please some mustard!!
Sinnim dreht ein kleines Kofferradio an und vertieft sich wieder in ihr Buch.
Mathiske: I have money.
Ich gebe dir einen Schein. - -
Okay, ich gebe dir zwei Scheine.
Er wedelt mit den Scheinen vor Sinnim herum. Als keine Reaktion kommt, dreht er ihr das Radio ab. Sinnim steht auf.
Sinnim: Verdammt, Geh Weg!!
Mathiske: Ah, man kann einen Fluch in der deutschen Sprachlandschaft verbalisieren. Aber keinen Satz in einem englischen Weltzusammenhang verstehen?
Sinnim: Geh Weg!!!
Dottl: (beschwichtigend):
Sie hat keinen Senf zum hinaufspritzen.
Sie hat keinen Willen zu einer schnellen Transaktion.
Sie will nur ihre Schriftzeichen rückwärts lesen.
Mathiske: Halt,halt!
Da ist ein Stand, mit einem Tresen. Oder?
Also will ich mir einen Kauf antun.
Dottl: Aber einen Senf kann man hier nicht bekommen.
Mathiske: He, das ist der Vertrag der Menschheit.
Man gibt ein bedrucktes Papier und bekommt ein versachlichtes Ding und ein Grinsen aus einer gelogenen Höflichkeit.
Dann kauf ich eben etwas anderes.
He ich geb dir 50 Scheine für diesen komischen Stein.
Er zeigt auf den einzigen komisch geformten Betonblock der sich auf dem Tresen des Standes befindet. Er ist groß und schwer, hat einen Metallhenkel und ist in der Mitte durch ein längliches U ausgehöhlt. Sinnim setzt sich wieder hin und beginnt zu lesen.
Mathiske: Hier ich gebe dir 55 Scheine. -
Ich habe viele Scheine.
Mein Hersein ist aus einem westlichen Wohlstandsstaat. Ich habe viele Scheine und einen Gallenstein.
Einen Gallenstein bekommt man nicht von einem Hungerleiden!
Sag einen Preis! Irgendeinen! Für den Stein.
Sinnim dreht demonstrativ das Radio an. Sie liest!
Dottl: Kommen Sie Mathiske.
Wir wollen doch niemandem eine Eskalationsstufe hinaufstolpern lassen.
Ein Satz, der bei uns eine ganz normale Belanglosigkeit entfaltet, kann woanders zur verhassten, kulturellen Fremde verliebäugelt werden.
Schauen sie doch:
Der sonnige Glanz auf dem Sand - Kamele - unser Füße kleben kopfunter an einer anderen Stelle des Planeten.
Mathiske: besinnt sich. - Er wirft den Falafel auf den Boden.
Müssen sie immer den Anspruch auf Anstand neu erfinden?
Eine muslimische Welt kann man nicht gesundbeten.
Dottl: Hebt den Falafel wieder auf,und wirft ihn in den Mülleimer.
Man braucht eine respektvolle Gesinnungshaltung in den Kulturen.
Sehen sie nur die Säulen! Fein gehauene Kapitäle - gearbeitet zu einer Zeit, als sich unsere Vorfahren noch an Eichen gekratzt haben.
Mathiske: Ja, Affen! Das stimmt!Aber mit einer genetischen Anlage zur Archäologie.
Laß uns zu den Säulen gehen.
Er bewegt sich auf das Minenfeld zu.
Dottl: Aber NEIN!
Wir dürfen keine Risikoverkalkulierung betreiben.
Lassen Sie die Lichtreflexe in ihre Augenöffnung.
Da ist ein Minenfeld!
Mathiske: Hält inne und schnuppert in der Luft.
Dottl - riechen sie das auch?
Da ist ein ganz frischkotiger Geruch in der Luft.
Und der kommt - schnuppernd - von Ihnen!
Ha! Dottl, sie Anstandserfinder.
Haben sie etwa einen Scheißhaufen in die Textilien gedrückt?
Nur wegen den paar rostigen Flecken?
Schau her! Dottl!
Ich mach ein Ballett mit dem Tod.
Er tapst theatralisch zwischen 2 Flecken.
Dottl: Um Himmels Willen! Mathiske!
Machen sie bloß keine Risikoverkalkulation.
Mathiske: Überraschung!
Ich lebe noch. Einem echten europäischen Affenarchäologen macht das kein bisschen Schreckeinjagen. Nicht ein kleinstes bisschen von einem Gar-Nichts. Sehen sie!
Er macht einen weiteren Schritt - Sinnim verzieht sich in sichere Entfernung.
Dottl: Kommen sie zurück!
Vielleicht liegt zwischen den alten verrosteten Minen eine neue, aus einem grünglänzenden Plastik.
Mathiske: Ja, ja, ja. Diese orientalische Schlamperei!
In einem aufgeräumten Ordnungsstaat gäbe es kein unordentliches Minenfeld. Es gäbe hier eine Hängebrücke. Daß allen Affenarchäologen eine Bewegungsfreiheit zur Verfügung steht. Ohne die kleinste Riskoverkalkulation.
Die Schweiz ist der aufgeräumteste Ordnungsstaat überhaupt. Die sperren die Autobahn, um die Leitpfosten zu überdachen.
Aber nur wenn die Sauerkrauts aus Italien heim wollen in ihren eigenen aufgeräumten Ordnungsstaat.
Es gibt nichts deutscheres als die Schweiz.
Kommen sie Dottl. Es ist ganz einfach.
Sinnim registriert, daß Mathiske immer mehr in einen gefährlichen Bereich tapst. Sie duckt sich zusammen und krümmt sich vor Angst.
Dottl: Sie dürfen sich keine Beängstigung daraus machen.
Er läßt keinen Fleck unter seine Sohle
Sinnim: Eben!
Dottl: Wenn man zwischen den Flecken bleibt ist der Prozentsatz einer Detonation sehr gering.
Sehen sie. (Er macht einen ersten Schritt zwischen zwei rote Flecken)
Mathiske: jetzt mitten im Minenfeld Dottl, machen sie keinen arabischen Flirt.
Kommen sie endlich.
Dottl: verlegen
Es ist ohne jede Risikoverkalkulation.
Mit einem Schwung rennt er quer durch das Minenfeld bis zu den Säulen.
Mathiske: schreit Um Himmels Willen Dottl!!!!!!!
Sie sind eine Gefahr für die Menschheit.
Zuerst den Scheißhaufen in die Textilien drücken, und kaum blinzelt ein Weib, dann liefern sie einen Grund für eine übermäßige Heldenverehrung.
Dottl: murmelt Thumber Gewissensknödel.
Mathiske: Höre ich da eine Dubotschaft.
Eine Dubotschaft mit einer impertinent gefärbten Prägung?
Dottl, man hat ihnen wohl die Kastanie verwässert.
Mit solch einer Stolperei erreicht man kein biblisches Alter. Man muß den Platz zwischen den Flecken mit einer brachialen Rechtschaffenheit auswählen. Was wäre Zivilisation ohne eine brachiale Rechtschaffenheit?
Eine wilde Stolperei durch Minenfelder. Zerfetzte Leiber, ein kurzes Dasein ohne das kleinste bißchen von einem biblischen Alter.
Sehen sie her, man muß.......
Er macht einen Schritt nach vorn und ein lautes, metallisches Knacken ist zu hören!
Sinnim+Dottl werfen sich auf den Boden und schützen ihren Kopf mit den Händen. Mathiske bleibt wie erstarrt stehen.
Dottl: schreit Bleiben sie stehen!!!
Bewegen sie sich nicht!! -
Sonst springt die Mine aus dem Fleck und reißt eine breite Schusslinie durch alles nahe Fleisch.
Mathiske: Dottl, - ich stehe auf keinem Fleck.
Dottl: schreit Bleiben sie stehen!
Ich habe das dreckklumpige Geräusch genau gehört.
Dieses rostige Gesplitter in alten Metall.
Mathiske: Ich spüre eine schwere Eisenfeder, die gegen meine verunglückte Sohle drückt.
Aber ich stehe auf keinem Fleck!
Dottl: schaut auf
Wirklich??
Mensch,Mathiske, jetzt haben sie in ihre Krankheit hineingefunden.
Was mach ich jetzt bloß?
Wir müssen ein Geschrei veranstalten.
HILFE!!!
Schlucken sie ihre totgeatmete Luft hinunter und schreien Sie.
Beide schreien aus Leibeskräften. Sie lauschen nach einer Antwort.
Mathiske: Dottl, sie müssen einen gesicherten Rückweg antreten und eine kompetente Hilfe holen. Schnell, bevor ein wildes Geschehnis eintritt.
Von hier sind es 20 Minuten bis zum Bus.
Man muß einen ferngesteuerten Roboter schicken, der sich unter meine Sohle gräbt und den Zünder rausdreht.
Dottl: HILFE!!!!!!!!!!!
Hier ist kein gesicherter Rückweg.
(er deutet auf das Minenfeld)
Mathiske: Nicht da lang.
Sie müssen über die Wanderdünen klettern. Quer durch die Wüste bis zum Reisebus.
Sie sollen einen nassen Sack mitbringen. Mit einem großen inneren Gewicht. Den man dann um den Fuß ziehen kann und der die Feder drückt. Daß ein Fortkommen ist von diesem unverrosteten Fleck.
Dottl: Ja,ja. Er geht.
Sie müssen einen Zwang zum Durchhalten entwickeln.
Mathiske: ...oder einen Stein.
Dottl ist schon weg und kann ihn nicht mehr hören
Einen Stein mit einem länglichen Loch in der Mitte.
In den eine Sohle passt.
Sinnim steht auf, klopft sich den Sand vom Kleid, geht zu ihrem Stand und rückt den Stein zurecht.
Mathiske: Hallo?!?
Hallo Sie.
Was macht man in einem so ebenerdigen Land, wenn man mit so einer eingeborenen Mine befasst ist?
Sinnim: Man versucht stehen zu bleiben.
Man versucht lange stehen zu bleiben.
Bis vielleicht einer einen Stein bringt.
Mathiske: Einen Stein mit einem länglichen Loch in der Mitte, in den eine Sohle paßt. Größe 43.
Mathiske begreift
He du hast so ein Stein.
Bring mir den Stein. Ich geb dir 100 Scheine.
Sinnim: 100 Scheine?
Und was ist mit deinem Gallenstein?
Krieg ich den auch, WOHLSTANDSAFFE?
Mathiske: Willst du mir eine unzumutbare Härte verleugnen.
Du unsägliche Dritte-Welt-Kreatur?
Mußt du ausgerechnet jetzt deinen angepißten Djihad nach außen stülpen?
Ein Mensch ist in einer Bedrängnis gehalten. Mit einem Maß an unzumutbarer Härte. Eine unfallartige Schrecklichkeit ist geschehen. Ein Mensch steht auf einer erdklumpigen Unebenheit und braucht eine selbstlose Menschlichkeit.
Du kannst mir meinen Wunsch nicht verweigern.
Sinnim: Okay, du sollst deinen Willen haben.
Sie holt eine große Spritzflasche mit Senf hinter ihrem Stand hervor. Vorsichtig springt sie von rostigen Fleck zu Fleck.
Hier hast du deinen deutschen Senf. Zum vergnüglichen Nulltarif. Ein Gastgeschenk von einem Dritte-Weltland.
Sie bespritzt sein Gesicht und sein Hemd mit Senf.
Mathiske: Was soll dieses menschenscheißige Untertheater. Hör auf, Nigger!! Ich stehe auf deiner Mine in deinem Land und du hast die Weigerung mir eine kleine Menschlichkeit anzutun.
Hat dir das dein Prophet mit seiner rückständigen Religion in dein verschissenes Hirn hineinkontaminiert?
Sinnim: Diese Mine ist ein Tourist.
Genauso wir du. Bulgarische Bauart - deutscher Zünder - norwegischer Sprengstoff. Gekauft von verrückten Separatisten - finanziert vom CIA - abgewickelt über Schweizer Banken.
Und im Gegensatz zu dir brüllt er nur ein einziges Wort. Du brüllst in einer einzigen sprachlichen Fiesheit. Zwinge deine Worte in eine andre Tonart, ringe dir eine schärfere Liebenswürdigkeit ab!
Oder du wirst eine lange steinlose Zeit haben! -
ZIEH DEINE HOSE RUNTER!
Mathiske: WAS?!?
Sinnim: Zieh deine Hose runter und knete dein minimales Glied.
Ein westlicher Wohlstandsaffe muß ein genußliches Maximum erzielen. Mach deine zeitliche Ausnutzung, denn bald schon springt der bulgarische Tourist aus den Erdklumpen und reißt dir die Eier ab. Dann ist Schluß mit dem sinnlosen Gespritze und deinem belanglosen Hodensack.
Wenn du meinen Stein willst, dann zieh deine Hose runter!
Mathiske: Behalt deinen muslimischen Stein.
Ich verneige mich nicht nach Mekka! Ich brauche ihn nicht. In zwei Minuten ist Dottl hinter der Wanderdüne beim Reisebus.
Sinnim: Ach ja, die Wanderdüne.
Die Wanderdüne ist der schwangere Bauch der Wüste und sie hat viele metallische Tausendlinge in sich. Ganz langsam schiebt sie die technischen Errungenschaften der westlichen Welt bis an den Rand deines Reisebusses. Und jeder einzelne Embryo wartet auf seine blutige Geburt.
Warum, Wohlstandsaffe, habt ihr wohl einen Umweg gemacht??
Mathiske: Du warst schon immer die falsche Hälfte einer Verlogenheit.
Er schreit in Richtung Wanderdüne
Doooooottl!! Vorsicht Minen.
Sinnim: Sie geht auf den roten Flecken zu ihrem Stand zurück.
Der Wind, der dir den Knall rübertragen wird, in dein krankes Ohr, ist schon geboren. Und jeder wird meinen du wärst mit in die Luft geflogen. Es wird keine kompetente Hilfe geben.
Du hast in deine Krankheit hineingefunden, Wohlstandsaffe.
Mathiske: er hat sich genau betrachtet, wie sie angstlos auf den roten Flecken läuft.
Du betreibst keine aktive Unterlassung.
Du betreibst eine kriminelle Manipulation.
Du hast alle Flecken gefälscht. Um einen illegalen Profit zu realisieren mit deinem Stein.
Sinnim: Steine sind immer da. Steine sind überall.
Steine sind der kleinste unteilbare Bestandteil jeder Umgebung. Und nur die Anordung der Steine entscheidet ob die Umgebung eine Felswüste ist oder eine Stadt.
Keiner hat dich in das Minenfeld geschickt. Man hat dich sogar ausdrücklich gebeten, nicht dorthin zu gehen. Du hast es trotzdem getan,Wohlstandsaffe.
Wie deine ungebetenen Vorfahren mit ihren religiösen Ungebetenheiten, ihren kulturellen Ungebetenheiten, ihren unerwünschten Leben.
Und jetzt ist die Kultur eines Dritte-Weltlandes harmlos zu sein, Flecken zu sortieren und Steine vorzubereiten.
Damit ihr hineinstolpert und euer nordischer Gendefekt sich gegen euch richtet.
Mathiske: Terrorist!! Fallensteller. Dritte-Weltkreatur!
Doch ein westlicher Weltmensch bleibt stehn, wenn er auf deinen unebenen Fleck tritt. Ein westlicher Weltmensch rennt erfolgreich durch ein Minenfeld. Dottl hat das getan. Ein westlicher Weltmensch hat einen fiesigen Instinkt zum Überleben.
Euer Wille ist schwach. Über Jahrhunderte konnte man ihn billig kaufen. Geändert hat sich nichts außer die Qualität der Glasperlen. Dottl hat viel von einem westlichen Weltmenschen. Er wird durchkommen und eine kühle Rechenschaft wird sich auf dich legen wie nichts Gutes. Und wie frisch Erbrochenes wird deine aktive Unterlassung herunterrutschen an den kahlen Mauern deiner unterentwickelten Philosophie.
Sinnim: Hier.
Sie stellt den Betonblock auf einen roten Fleck in sicherer Entfernung von Mathiske
Ich schenk ihn dir.Du kannst ihn nehmen.
So du kommst nicht ran?!?
Heute endet der Vertrag der Menschheit. Euer Vertrag.
Mathiske: Es ist immer noch eine aktive Unterlassung.
Sinnim: Ach du willst ihn auch noch serviert bekommen. Genau wie unser schwarzes Gold.
Welche virtuose Glasperle würgt dein fiesiger Instinkt jetzt raus?
Eine Ehrenurkunde zur Aufnahme in die Zivilisation?
Eine vertragliche Unkündbarkeit der Gleichberechtigung?
Ein Perspektivplan zur Aufnahme in die Menschheit?
Das war doch die Glasperlenqualität der letzten Jahrhunderte. Damit habt ihr unsere Führer betrogen. Damit habt ihr das Öl gekriegt. Und das Kobald und das Kupfer. Wie Kannibalen marodiert ihr durch den Erdball, um Stoffe zu kriegen für eure Maschinen. Es ist unser Boden! Es ist das Mangan Schwarzafrikas.
Heute endet euer Vertrag der Menschheit.
Mathiske: Was habt ihr schon hervorgebracht?
Keinen Verbrennungsmotor, keine Raffinerie, kein Kerosin, kein Plastik. Ohne uns wüßtet ihr gar nicht, daß die giftige Soße in eurem Boden überhaupt einen Wert besitzt.
Ihr würdet uns gepreßten Kameldung anbieten, damit wir es mitnehmen würden. Viel Kameldung.
Es ist eine Anstandsleistung, daß wir euch mitverdienen lassen an UNSEREM ÖL, das Gott versehentlich unter euren Sand ejakuliert hat.
Sinnim: Gott? Ihr habt einen Gott?
Du meinst diese Würdebeschaffungsmaschinerie, die ihr zu Weihnachten benutzt, um euch nicht vollständig als Tiere zu fühlen. Nachdem man monatelang per Unterschrift kontaminierte Stoffe nach Ägypten verscherbelt hat, geht man in die Kirche und spendet etwas für die Dritte Welt.
Erst das gibt Weihnachten dieses besondere Gefühl. Man ist doch kein Unmensch und nach den Feiertagen geht man zur Augenanalyse bei Professor Großkotz.
Die Augen unserer Kinder glänzen.
Die Augen unserer Kinder glänzen von Malaria.
Die Augen unserer Kinder glänzen vor Hunger!
Wie kann das sein, daß das Land mit reichen Bodenschätzen immer ärmer wird, wogegen das Land ohne Bodenschätze immer reicher?
Mathiske: PSSSSST!(er unterbricht sie)
Sinnim: Was denn??
Mathiske: Hörst du?
Sinnim: Ich höre nichts, Wohlstandsaffe.
Mathiske: Ganz recht! Du hörst nichts!
Dottl hat es geschafft, Nigger!
Also,- es geht nicht mit einer primitiven Schlauheit. Eine echte Zivilisation hat einen vitalen Pluralismus, der so oder so zum Ziel führt. Einer findet immer einen Weg. Durch das Minenfeld, durch den Weltraum, durch den Urwald eurer primitven Schlauheit. Ein vitaler Pluralismus gibt der Menschheit eine Artenvielfalt. Ein vitaler Pluralismus gibt dem Menschen eine Freiheit zur Ausbeutung.
Ausbeutung von Bodenschätzen, Ausbeutung von sich selbst, Ausbeutung von anderen. Er muß nur einen Weg finden. Und wenn er keinen findet, dann findet ihn ein anderer. In einem vitalen Pluralismus findet man in jedem Fall eine Lösung. Der vitale Pluralismus führt automatisch zu einem höheren Punkt. Darum haben wir Computer, Kolumbus, Düsenjäger, Haartrockner und die Atombombe. Und ihr habt eure primitive Schlauheit und eine Schmiergeldkultur. Ihr haltet einen vitalen Pluralismus gar nicht aus, weil ihr nur aus einem Teller essen könnt. Ihr manscht Gott, Staat, Geld, Ehre in einen einzigen Brei und schlürft ihn genußlos runter.
Mit eurer primitiven Schlauheit kommt ihr nie zu einem höheren Punkt. Und jetzt wollt ihr unsere Kernspaltung nachahmen. Eine Plutoniumisierung eurer Schwäche. Eine einzigartige radioaktive Ausrottung würdet ihr über den Planeten bringen.
Unsere errungenen Grandiositäten darf man nicht in eure Hände geben. Wir werden keine geladenen Maschinengewehre in den Schimpansenkäfig werfen, Nigger!
Und jetzt, Nigger, jetzt werden gleich die Paragraphen auf dich draufklettern. Du hast dein Leben verpfuschungsmäßig abgewirtschaftet. Gleich ist Dottl hier mit einer autorisierten Kraft und die Buchstaben einer kühlen Rechenschaft werden über dich hinwegkonjugiert ohne jede gnädige Wirklichkeit. Befiehlt nicht die Scharia, daß man Dieben die Hand abhackt?
He, Nigger, was bekommt man für primitive Schlauheit? Zieht man dir die rechte Titte raus und schneidet sie dir ab? Hahaha!!!
Aus der Entfernung ist ein lauter Knall zu hören, gefolgt von mehreren anderen
Detonationen.Mathiske hört auf zu lachen.
Sinnim: Ihr seid ein linientreues Unglück.
Ihr seid die wahren Dreckverteiler.
Selbst wenn man euch besiegt ist man beschmutzt.
Wieso hab ich mich in eine Wut hineingezwungen. Ich hätte ihn niemals gehen lassen dürfen.
Ich habe aktive Unterlassung betrieben. Allah, ich habe eine Sünde auf mich drauf gelassen, wie soll ich dir jetzt begegnen?
Sie sinkt auf die Knie und vergräbt ihr Gesicht in den Händen.
Mathiske: Dein höheres Wesen kann keine Steine tragen. ----
Wir müssen an einen Pragmatismus glauben.-----
Ich habe 500 Scheine in einer Tasche. Du kannst sie haben, wenn du meine steinlose Zeit beendest.
Und wenn das nicht reicht, kannst du Dottls Fotoapparat behalten.
Er zeigt auf den Fotoapparat auf dem Boden, den Dottl vorher liegengelassen hat.
Sinnim: Ich habe nie an deiner Widerwärtigkeit gezweifelt, Wohlstandsaffe. Du hast kein Herz und keinen rechten Fleck. Jetzt stellen wir dich vor dein verschmutztes Auge.
Zieh die Hose runter, Affe!
Oder ich überlasse dich der Nacht und dieser einladenden Hinrichtungsstätte.
Zieh die Hose runter!
Mathiske: schweigt
Sinnim: Na gut! Sie dreht sich um und geht
Mathiske: schreit BLEIB!
Bitte bleib, Ni..... Sinnim bleibt stehen
Wie heißt du eigentlich?
Sinnim: Sinnim
Mathiske: Woher kannst du so gut deutsch?
Sinnim: Die ersten 13 Jahre meines Lebens war ich in Duisburg. Erst dann ging meine Familie zurück.
Mathiske: Das ist ein schöner Name... Sinnim...
Sinnim: Beginne sanft und vermummt zu schweigen, Wohlstandsaffe. Die Nacht in der Wüste ist lang und kalt.
Wenn du willst, daß ich bleibe, dann zieh deine Hose runter. SOFORT!
Mathiske öffnet seinen Gürtel und zieht die Hose runter.
Die Unterhose auch!
Mathiske zieht die Unterhose runter, aber so daß das senfbeschmutzte Hemd seine Blöße bedeckt.
Was? Du dreckschweinhafter, unentschlossener Nichtaraber, willst du mir dein Schamhaar verschleiern? In den Klassenzimmern des vitalen Pluralismus ist das verboten. Nimm den Schador von deinem Haar. Ein falsches Schamgefühl paßt nicht zu einem aufgeklärten Weltmenschen.
Oder ist das Geschlechtsteil des westlichen Weltmenschen von einer so allgemeinen Kümmerlichkeit, daß es sich verstecken muß.
Sie nimmt einen langen Stock und versucht aus sicherer Entfernung das Hemd hochzuheben. Mathiske wehrt den Stock immer wieder ab.
Mathiske: Hör auf. Wir sollten einen Zusammenhalt installieren.
Unsere Völker haben viele Gemeinsamkeiten.
Sinnim: Laß den Dreck und enthülle dein Schamhaar.
Mathiske: In ständiger Abwehr des langen Stocks
Wir haben die Juden auch schon mal gehaßt.
Sinnim: Und jetzt unterstützt ihr sie!Sie stochert ständig weiter
Mathiske: Das ist nur wegen Europa und den Geschäften!
Sinnim: Ach wegen Europa und den Geschäften.
Seit wievielen Jahrhunderten hat dieses Europa dieses kapitalistische Wamsrammeln? Die Fäkalienwirtschaft rumort in Europas Eingeweiden und will sich ergießen am besten auf die ganze Welt. Und auf der Suche nach einem Loch durch das es scheißen kann, hat Europa Arabien gefunden.
Einen Krieg nach dem anderen scheißt ihr auf uns hinauf. Mit dem Lineal habt ihr unser Land zerteilt.
Warum gebt ihr den Israelis nicht ein Stück von Deutschland?
6 Millionen habt ihr umgebracht. Es wäre nur gerecht. Gebt ihnen Brandenburg. Die würden mit den Neonazis schon aufräumen. Warum scheißen die Engländer einen fremden Staat mitten in unser Land? Wir sind für das Lebensrecht der Israelis, aber gefälligst in Wales!
Zeig mir dein Schamhaar, Wohlstandsaffe!
Sie stochert verstärkt nach dem Hemd
Mathiske: Ohne uns Deutschen hättet ihr jetzt viel mehr Juden auf euren Hals geschissen.
Sinnim: Zeig mir dein minimales Glied. Vielleicht bist du ja beschnitten.
Sie stochert jetzt eindeutig nach dem Penis
Mathiske: schreit in verzweifelter Gegenwehr
Wir haben mehr Juden umgebracht als ihr je schaffen werdet, Nigger!
Sinnim: hält inne
Und jetzt liefert ihr ihnen Waffen.
Gegen uns.
Ihr habt keine Gesinnung außer Geld. Wie Tiere geht ihr euren niedersten Bedürfnissen nach. Gott ist bestenfalls ein kleiner Teil eures Lebens. Für uns ist das Leben ein Teil Gottes. Wir spüren eine Schöpfung in unserem Alltag. Wir verhüllen uns, um nicht wie geile Tiere übereinander herzufallen. Wir sind beseelt von dem Gedanken, daß es mehr gibt. Und wir verhalten uns danach. Und wenn ein junger Araber einen Gürtel mit Dynamit anzieht und seiner Pflicht folgt, dann weiß er, daß er in ein besseres Leben geht und in diesem Leben immer ein Märtyrer bleibt.
Das macht euch Angst.
Das könnt ihr nicht verstehen. Daß es mehr gibt als Geld und Ficken.
Wenn du Zivilisation sagst, dann meinst du Infrastruktur zum Geldverdienen. Wenn du Pluralismus sagst, meinst du Vertierung und Gottvernebelung.
Und wenn du Genuß sagst,dann meinst du dekadente Perversion, weil deine natürliche Sexualität abgenutzt ist wie ein alter Schuh.
Vielleicht willst du es gar nicht von vorn.
Vielleicht willst du, daß ich dir dein verwirrtes Arschloch malträtiere.
Sie geht hinter ihn und versucht den Stock aus sicherer Entfernung in seinen After zu stecken.
Mathiske: schreit Laß mich!!!!
Euer Märtyrerscheiß verstößt gegen die Regeln des guten Terrorismus.
Keine Warnung - kein Bekennerschreiben - kein Leben im Untergrund. Was ist ein Terrorismus ohne das kleinste bißchen Untergrund?
Ein Scheißdreck!
Jeder Mensch hat eine tiefe Sehnsucht nach einem Untergrund.
Aber ihr zieht euch die Burka aus, wenns eng wird und kauft euch ein Handy und seid Anwälte oder Journalisten. Auf Fahndungsplakaten seid nicht ihr zu sehen, denn euren Turban, eure Bärte habt ihr längst abgelegt. Ihr habt jetzt eine Guccibrille und ein Messerhaarschnitt.
Euer Terrorismus ist ohne Untergrund. Eure Identität ist nichts als ein mittelalterliches Kostüm. Und ihr seid nichts anderes als wir, nur dümmer. Ohne ein Gutsein zu sich selbst. Viel dümmer!
Sinnim: Deine geile Abgenutztheit braucht eine kitzlige Spezialität. Nimm die Burka von deinem verwirrten Arschloch!!
Du willst doch jeden Winkel deines Körpers zu Tode genießen.
Sie versucht wieder die Stange in seinen After zu stecken.
Mathiske: Terrorist, Vergewaltiger!!
Er bekommt den Stock zu fassen und zieht Sinnim, die nicht los läßt zu sich heran.
Sinnim: Laß los, Wohlstandsaffe.
Mathiske: Erst ramm ich dir die Stange in deine Niggermumu rein.
Beide ziehen an der Stange. Mathiske ruckt und Sinnim macht einen Schritt nach vorn. Ein lautes metallisches Knacken ist zu hören. Beide erstarren noch immer an der Stange ziehend.
Sinnim steht sehr nahe bei Mathiske.
Mathiske: Bleib stehen, Nigger.
Wie konntest du mir dieses Geräusch auftun in mein eigenes Gehör?!
Sinnim: Du hast mich auf die ungefleckte Unebenheit gezogen.
Mein letztes Bein klebt auf dem bulgarischen Tourist. Die Wirklichkeit träumt zum zweiten mal diesen Schrecken aus.
Mathiske: Man wird uns finden.
Sinnim: Niemand wird uns finden. Bis morgen früh der Reisebus kommt. Diese Sache träumt die Wirklichkeit sehr ausdauernd vor sich hin.
Mathiske: Zieh nicht so Nigger!
Sinnim: Wenn ich nicht ziehe, reißt du mich um.
Mathiske: Wenn ich nicht ziehe, reißt du mich um.
Sinnim: So hat das Kismet mich dir hinzugebrunst. Daß wir eine krankhafte Balance finden.
Jeder zerrt an der Stange, um nur nicht den Stand zu verlieren.
Mathiske: Wir müssen gemeinsam unsere Grobmotorik reduzieren. -
Einer könnte vor dem anderen einen Krampf bekommen und umfallen.
Die Sportmedizin hat einen niedrigeren Hämatokritwert festgestellt. Bei den Frauen.
Sinnim: Frauen können alles das was auch ein Mann kann.
Und jeder einzelne Mann wurde von einer Frau durch den Uterus gedrückt. Wenn du drückst kommt nur Scheiße raus.
Mathiske: Einmal muß man diese Grobmotorik beenden. Bevor ein doppeltes Unglück entsteht.
Sinnim: Okay auf drei.
Eins - Zwei - Drei
Vorsichtig entspannen sich beide und hören auf zu ziehen. Die Stange fällt auf den Boden.
Mathiske: Mein Knie zittert.
Sinnim: Bleib bloß stehen, Wohlstandsaffe.
Wie du stinkst! Du bist eine einzige nahe Unzumutbarkeit. Wäscht sich der westliche Wohlstandsmensch niemals?
Mathiske: Ich muß einen Handlungsbedarf anmelden.
Einen sehr dringlichen Handlungsbedarf.
Sinnim: Was denn?
Mathiske: Die harmlose Vergrößerung der Prostata macht bisweilen einen permanenten Druck auf das männliche Ausscheidungsorgan.
Sinnim: Klemm dein männliches Ausscheidungsorgan ab bis du einen gelben Kopf bekommst. Aber bleib gefälligst stehen.
Mathiske: Bei diesem durchaus unangenehmen Druck werde ich mit der mir eigenen Unwillkürlichkeit die Beine anziehen. Früher oder später.
Sinnim: Dann schlag deine westliche Wohlstandspisse ab. - Aber gefälligst in diese Richtung. Ich schau weg.
Mathiske: dreht sich so gut das eben geht weg und uriniert
Wie ist das passiert - mit deinem Bein.
Sinnim: Unser Dorf hatte ein Minenräumkommando zugeteilt bekommen. Von der Armee. Und ich dachte ich könnte zum ersten Mal seit Jahren den direkten Weg zum Brunnen nehmen. Es war schon abend und ich brauchte nur ein bißchen Wasser.
Ich wußte nicht, daß der bulgarische Tourist auf mich wartet. Es war eine schöne Abendsonne und meine Füße machten ein weiches, sandiges Geräusch. Bis ich plötzlich das metallische Knacken hörte. Und stehen mußte, ganz allein in einer einzigen Einöde.
Mathiske: ist so langsam mit pinkeln fertig
Und was dann?
Sinnim: Ich wußte: am nächsten morgen würden die Frauen kommen. Zum Wasserholen. Das waren höchstens 10 Stunden. Ich mußte mich nur wach halten. Also stand ich und begann die Steine der Umgebung zu studieren. Jeden Stein nahm ich mir einzeln vor. Jede Kerbe, jede Kurve, jeden Bruch zählte ich. Ich maß jede Abplattung, jede schroffe Kante. Und die Steine sagten zu mir: 10 Stunden das ist gar nichts, das vergeht wie im Flug. 10 Stunden, das ist eine sehr kurze Zeit. Doch mein zitterndes Knie sagte: 10 Stunden das ist eine kurze Zeit für Steine, aber eine sehr lange für Säugetiere.
Ich drückte mein Knie gegen die gespannte Feder des bulgarischen Touristen und starrte in die Dämmerung auf die Warteschlange meiner Steine.
Als die Nacht kam, und ich nichts mehr sehen konnte, versuchte ich mich zu erinnern an die Steine und was sie mir erzählt hatten. Doch immer schrie mein Knie: das ist eine sehr lange Zeit für Säugetiere. Die Kälte kam und irgendwann muß ich wohl eingeschlafen sein. Den Knall nahm ich gar nicht wahr.
Mathiske: Und wie wurde eine Rettung erreicht?
Sinnim: Der Minensuchtrupp lagerte direkt hinter der nächsten Düne.
Ich hätte nur schreien müssen.
Mathiske: Was glaubst du, wie lange müssen die Säugetiere hier noch stehen?
Sinnim: Es ist schon Abend. Vielleicht noch 8 Stunden.
Mathsike: Eine kurze Zeit für die Steine.
Mein Knie zittert.
Sinnim: Wir müssen uns festhalten.
Wir müssen ein Gleichgewicht installieren.
Mathiske: Wir bauen uns eine Statik.
Die Ingenieure der Golden Gate Bridge....
Sinnim: Sei still, Wohlstandsaffe.
Leg den Arm um mich.
Sinnim nimmt die lange Stange und sticht sie in den Sand.
Wir stützen uns gemeinsam auf die Stange.
Mathiske will den Arm vorsichtig um sie legen. Sinnim schreit.
Wisch deine Hand ab!
Mathiske wischt seine Hand an seinem Hemd ab. Er legt vorsichtig den Arm um Sinnim. Sinnim legt den Arm um ihn. Sie stützen sich gegenseitig.
Mathiske: Es gibt eine Systemimmanenz in der Physik. Steht ein Körper auf drei Punkten kann er nicht stürzen.
Er legt aus Bequemlichkeitsgründen den Kopf an Sinnim.
Sinnim: Bewahre eine Vorsichtig mit deiner kopfigen Ecke.
Wie kann man nur so einen deformierten Hirnkasten haben.
Aus unerfindlichen Gründen kippt das Radio von Sinnim, das auf ihrem Stand steht zur Seite
und beginnt zu spielen. Beide zucken zusammen.
Mathiske: Ich habe nie verstanden wie die Musik in den Kasten kommt.
Sinnim: Halt dich fest, Affe.
Mathiske: He, Nigger, die Radiowellen gehen durch die Wanderdüne, durch das Holz.
Und ein irrer, blanker Draht greift die Musik aus der Luft. Hörst du mich?
Sinnim: Sei still, Affe.
Mathiske: Man sollte meinen, daß bei einem Rückenwind die Musik schneller laufen müßte. Wie bei einer Schallplatte, wenn das Vinyl sich schneller dreht.
Sinnim: Halt dich richtig fest!
Mathiske: Zumindest sollte sowas leichtes wie Schmetterlinge etwas aus der Bahn gedrückt werden. Nur ganz leicht. Durch die Kraft der Radiowellen.
Doch die Schmetterlinge fliegen gänzlich unbeeindruckt.
Sinnim: Jetzt kommt die Nacht.
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